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Materialien in Kontakt mit Lebensmitteln: Das sollten Sie wissen!

Marvin Dielmann
14.12.21 13:51

Wissenswertes über verschiedene Materialien in Kontakt mit Lebensmitteln und die Rechtslage

Aus den verschiedensten Gründen kommen Lebensmittel mit bestimmten Materialien in Kontakt. Meist hat es funktionelle Gründe. So kommen viele Nahrungsmittel bereits im Zuge ihrer Herstellung oder Zubereitung mit speziellen Maschinen oder Kochgeschirr in Berührung. Andere werden in speziellen Behältern transportiert oder gelagert.

Worum geht es in diesem Blog-Beitrag? Sie erhalten:
 
  • Einen Überblick über die Anforderungen für Verpackungsmaterialen in Kontakt mit Lebensmitteln.
  • Wichtige Informationen, wie Sie gewährleisten, dass Verpackungen nicht gesundheitsschädlich sind.
  • Wissen, über Zulassungen für Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen.

Wieso überhaupt Lebensmittel extra verpacken? 

Für einen großen Teil der angebotenen Lebensmittel bekommt die Materialfrage spätestens kurz vor Auslieferung in den Handel eine Bedeutung!

Zum Schutz vor Schmutz oder Keimen - um frische Ware länger haltbar zu machen - werden viele Nahrungsmittel gut verpackt, bevor sie den Weg in die Regale des Handels finden. Manchmal bietet die Verpackung für ihren Inhalt auch zusätzlich einen Schutz vor Licht und Luft, sie ist Träger von Informationen oder erfüllt verkaufsfördernde Zwecke.

💡 So unterschiedlich die Verwendungszwecke sein können, so verschieden sind die Materialien, mit denen Lebensmittel in Kontakt kommen können. Das Spektrum reicht von Kunststoffen über Papiere, Kartons und Gummi bis hin zu natürlich abbaubaren Folien aus Zellglas.

Gesundheitliche Beurteilung von Kunststoffen: Welche Empfehlungen gibt es? 

Schon seit 1958 werden in Deutschland „Empfehlungen zur gesundheitlichen Beurteilung von Kunststoffen und anderen Hochpolymeren“ ausgegeben. Was das Bundesgesundheitsamt begonnen und das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) ab 1994 weitergeführt hat, setzt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fort:

Es erarbeitet „Empfehlungen im Rahmen des Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände und Futtermittelgesetzbuches (LFGB), die in der Datenbank „BfR-Empfehlungen zu Materialien für den Lebensmittelkontakt (ehemals Kunststoff-Empfehlungen)“ zu finden sind. In dieser Datenbank stellt das BfR seine Empfehlungen auf der Instituts-Homepage Herstellern und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.

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Anforderungen an Materialien in Kontakt mit Lebensmitteln: 

Aluminiumfolie, Frühstücksbeutel, Getränkekartons, Abfüllschläuche oder Antihaft-beschichtungen von Kochgeschirr: Dies alles sind Materialien, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Kontakt zu kommen. Sie unterliegen einer strengen gesetzlichen Regelung.

Für alle im Lebensmittelkontakt eingesetzten Materialien gilt die am 27. Oktober (2004) vom Europäischen Parlament und dem Rat der EU verabschiedete Verordnung (EG) Nr. 1935/2004, die so genannte Rahmenverordnung.

Artikel 3 der Verordnung nennt die „allgemeinen Anforderungen“. Die wichtigste Aussage lautet sinngemäß:

Materialien und Gegenstände müssen so hergestellt sein, dass ihre stofflichen Bestandteile unter den normalen und vorhersehbaren Verwendungsbedingungen nur in Mengen auf das Lebensmittel übergehen, die die Gesundheit des Verbrauchers nicht gefährden.

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Was passiert, wenn Stoffe aus dem Material auf Lebensmittel übergehen?

👉 Wichtig: Materialien, die mit Lebensmittel in Kontakt kommen, sollten so beschaffen sein, dass aus Ihnen nach Möglichkeit keine Stoffe auf die Nahrungsmittel übergehen.

Kommt dies dennoch vor, so dürfen laut Artikel 3 der EU-Verordnung 1935/2004 nur so geringe Mengen auf das Lebensmittel übergehen, die nicht die menschliche Gesundheit gefährden, die zu keiner unvertretbaren Veränderung der Zusammensetzung der Lebensmittel führen, und die nicht zu einer Beeinträchtigung der geruchlichen und geschmacklichen Eigenschaften des Lebensmittels führen.

An die gesundheitliche Beurteilung von Substanzen, die aus Materialien auf Lebensmittel übergehen, werden dieselben Anforderungen gestellt, wie sie die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für die Bewertung von Anträgen zur Aufnahme neuer Stoffe in die Positivliste der Verordnung (EU) 10/2011 über Materialien und Gegenstände aus Kunststoff, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen, zugrunde legt.

Wussten Sie, dass sich Bio-Folie besonders gut im Umgang mit Lebensmitteln eignet?

☝ Generell gilt: Je mehr von einer Substanz auf Lebensmittel übergeht, desto größer ist der Umfang der Daten, die für eine Bewertung vorgelegt werden müssen. So kann eine gesundheitliche Bewertung für nur geringe Übergangsmengen von bis zu 50 ppb (ppb zu Deutsch Teile pro Milliarde) erfolgen, wenn ausschließlich Basisuntersuchungen auf erbgutschädigende Wirkungen durchgeführt und der Behörde vorgelegt wurden.

Für die Bewertung höherer Konzentrationen eines Stoffes im Lebensmittel, werden umfangreichere toxikologische Untersuchungen u.a. zu Langzeitwirkungen benötigt.

Für Kunststoffe gibt es darüber hinaus auch noch stoffspezifische Grenzwerte für den Übergang auf Lebensmittel, so genannte Migrationsgrenzwerte. Für Substanzen, für die ein solcher Migrationswert nicht überprüft werden kann, gibt es stattdessen noch mengenmäßige Beschränkungen im Material. Damit wird vorsorgend ein Übergang auf Lebensmittel begrenzt oder ausgeschlossen.

Welche Verpackungsmaterialen sich speziell für Lebensmittel eignen, können Sie übrigens auch in unserem POF-Einstiegsguide nachlesen.

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Wie wird gewährleistet, dass von Verpackungsmaterialien keine gesundheitlichen Risiken ausgehen?

Die Überwachungsbehörden der Bundesländer untersuchen Lebensmittel regelmäßig auf Stoffe, die aus Kontaktmaterialien auf die Lebensmittel übergegangen sein könnten.

Geprüft wird auf Chemikalien, die gesundheitlich relevant sind.

  • Das sind beispielsweise primäre aromatische Amine und Formaldehyd in Pfannenwendern
  • oder Kindergeschirr aus Melaminharz
  • Weichmacher in Weich-PVC von Deckeldichtmassen und Getränkeschläuchen
  • oder Nassfestmittel in Servietten und Küchentüchern
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☝️ Erste Hinweise auf unerwünschte Stoffübergänge können die so genannten sensorischen Prüfungen auf Geschmacks- und Geruchsveränderungen geben. Hierzu werden Prüflebensmittel, die selbst geschmacksneutral, möglichst einfach zusammengesetzt und dennoch realitätsnah sind, mit dem zu untersuchenden Material in Kontakt gebracht.

Soll zum Beispiel eine Kunststoffgetränkeflasche untersucht werden, kommt Wasser als Prüflebensmittel zum Einsatz. Chemische und chemisch-physikalische Analysen sichern anschließend die sensorischen Prüfungen ab.

Außerdem wird von den Überwachungsbehörden die korrekte Kennzeichnung der Gegenstände mit Lebensmittelkontakt und damit die Eignung der Materialien für diesen Verwendungszweck überprüft.

Gegenstände, die von ihrem Aussehen nicht eindeutig für den Kontakt mit Lebensmitteln bestimmt, dafür aber gedacht sind, wie etwa Verpackungsfolien oder Verpackungsbeutel, müssen laut Artikel 15 der EU-Verordnung 1935/2004 beispielsweise den Hinweis „Für Lebensmittelkontakt“ tragen. Auch die Verwendung von Zeichen ist möglich, wie das im Anhang der Verordnung gezeigte Symbol mit Becher und Gabel.

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Werden auch extreme Anwendungsbedingungen bei der Bewertung von Verpackungsmaterialien berücksichtigt?

Materialien, die für den Kontakt mit Lebensmitteln vorgesehen sind, sind unter den Bedingungen ihres ungünstigsten, bestimmungsgemäßen Gebrauchs zu bewerten.

Um einige Beispiele zu nennen:

  • Bei Beschichtungen von Kochgeschirr müssen die möglichen Temperatur- und Beladungsbedingungen berücksichtigt werden
  • Bei Lebensmittelverpackungen spielen besonders die verschiedenen chemisch-physikalischen Eigenschaften der Lebensmittel eine Rolle
  • Bei Babyfläschchen muss die Bewertung des Materials auch eine Erhitzung mit üblichen Flüssigkeiten in der Mikrowelle einschließen
Was passiert wenn diese Anforderungen nicht erfüllt werden?

Die Grafik zeigt, wie Verbraucher auf gesundheitsschädliche Materialien reagieren.

💡 73% der Verbraucher, damit die große Mehrheit, würde Lebensmittelverpackungen und Koch- und Essgeschirr nicht weiter benutzen. 

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Welche Aufgaben nimmt das BfR wahr, um die Sicherheit von Materialien im Lebensmittelkontakt zu gewährleisten?

Das BfR erarbeitet wissenschaftliche Stellungnahmen zu möglichen gesundheitlichen Risiken durch Stoffe aus Materialien mit Lebensmittelkontakt. Notwendig wird dies zum Beispiel, wenn Ergebnisse aus den Untersuchungen der Überwachungsbehörden eine Neubewertung erfordern oder in einer öffentlichen Diskussion eine aktuelle, neutrale und sachliche Einschätzung gefordert ist.

In solchen Fällen werden die gesundheitlichen Risiken anhand von Daten zur Giftigkeit der fraglichen Stoffe und der Abschätzung der möglichen Aufnahme durch Verbraucher bewertet. Dabei können auch bestimmte Personengruppen, wie zum Beispiel Kleinkinder, besonders berücksichtigt werden.

➕ Die Aufgabe des BfRs: Das Bewertungsverfahren kann sich, falls erforderlich, nicht nur auf die Verunreinigungen selbst beziehen, sondern auch Metabolite berücksichtigen, die durch die Umwandlung im menschlichen Stoffwechsel oder im Lebensmittel entstehen können.

Außerdem erarbeitet das BfR Empfehlungen zu Materialien für den Lebensmittelkontakt. Hierzu unterhält das Institut eine Datenbank, die über die Homepage des Instituts frei zugänglich ist und regelmäßig aktualisiert wird.

Die Empfehlungen des BfR spiegeln den jeweils aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik wider. Deshalb sind sie - auch wenn sie keine Rechtsnormen darstellen - eine wichtige und akzeptierte Orientierungshilfe, um abzuleiten, ob ein Gegenstand mit Lebensmittelkontakt die gesetzlichen Anforderungen nach Artikel 3 der EU-Verordnung 1935/2004 erfüllt.

Außerdem arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BfR als Mitglieder in Fachgremien der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA an der Bewertung von Stoffen im Lebensmittelkontakt auf EU-Ebene mit.

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Brauchen Materialien für den Einsatz im Kontakt mit Lebensmitteln eine spezielle Zulassung?

Es gibt kein spezielles Zulassungsverfahren für Materialien im Kontakt mit Lebensmitteln. Es gibt aber die bereits erwähnten Anforderungen der EU-Verordnung 1935/2004, die alle Materialien und ihre Bestandteile erfüllen müssen, wenn sie für den Kontakt mit Lebensmitteln verwendet werden sollen.

Die Hersteller tragen hierfür die Verantwortung. Seit dem Jahr 2011 gilt die Verordnung (EU) Nr. 10/2011, mit der eine direkt rechtswirksame europäische Regelung in Kraft getreten ist. Sie legt eine verbindliche Positivliste der Monomeren und Zusatzstoffe fest, die zur Herstellung von Materialien und Gegenständen aus Kunststoff für den Lebensmittelkontakt verwendet werden dürfen. Vor ihrer Aufnahme in diese Listen müssen die Stoffe auf ihre möglichen Übergänge auf Lebensmittel und ihre toxikologischen Eigenschaften geprüft werden.

❗ Als ein Ergebnis der Prüfung werden Grenzwerte für den Übergang der Stoffe auf Lebensmittel festgelegt. Damit liegen für Stoffe, die in den Listen enthalten sind, toxikologische Daten vor, was eine Bewertung des gesundheitlichen Risikos im Falle eines Übergangs auf Lebensmittel deutlich erleichtert. Die Listen beschränken sich allerdings auf Kunststoffe und Zellglas. Bei Zellglas handelt es sich um eine besser unter dem Markennamen Cellophan bekannte transparente Verpackungsfolie aus regenerierter Zellulose, die zum Beispiel für Süßwaren, Käse oder Wurst verwendet wird.

Klar definierte Anforderungen über den BRC Global Standard:

Der BRC Global Standard stellt klar definierte Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit. Er wird von der Global Food Safety Initiative (GFSI) anerkannt und ist im englischsprachigen Europa, aber auch in weiten Teilen Asiens und den USA verbreitet.

💡 Beachteten Sie: Jedes Unternehmen, das Lebensmittel verarbeitet oder verpackt, kann sich nach dem BRC Global Standard zertifizieren lassen. Dafür müssen Sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  1. Verpflichtung der Geschäftsführung zur kontinuierlichen Weiterentwicklung
  2. Plan zur Lebensmittelsicherheit (HACCP-Programm) auf Basis des internationalen Lebensmittelkontext "Codex Alimentarius"
  3. Qualitätsmängel im Bereich Lebensmittelsicherheit auf der Bass des Standards ISO 9001
  4. Klare Erwartungen an den Standort und das Arbeitsumfeld
  5. Produktkontrolle in allen Phasen
  6. Einrichtung und Aufrechterhaltung von Prozesskontrollen
  7. Anforderungen an Schutzkleidung, Personalhygiene und Ausbildung der Mitarbeiter

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Sie haben weitere Fragen zu Materialen in Kontakt mit Lebensmitteln? Dann schreiben Sie mir oder rufen mich direkt an. Ich freue mich, Sie kennenzulernen!

Ihr Marvin Dielmann
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Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung, 2013

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